Wenn Angehörige zum ersten Mal hören, dass ihr Familienmitglied dauerhaft beatmet werden muss, entsteht oft ein bestimmtes Bild im Kopf: ein Mensch, der bewegungslos im Bett liegt, umgeben von Schläuchen und Geräten, ans Zimmer gefesselt. Dieses Bild ist verständlich, aber es entspricht in den meisten Fällen nicht der Realität moderner außerklinischer Beatmungspflege...
Die Wahrheit ist: Mobilisation ist bei beatmeten Patienten nicht nur möglich – sie ist einer der wichtigsten Bausteine für Lebensqualität, Genesung und Wohlbefinden.
Mobilisation bezeichnet in der Pflege alle Maßnahmen, die darauf abzielen, einen Patienten in Bewegung zu bringen oder zu halten – von der einfachen Umlagerung im Bett über das Aufsetzen an der Bettkante bis hin zum Transfer in den Rollstuhl und, wo möglich, zum Stehen oder Gehen.
Bei beatmeten Patienten unterscheidet man dabei zwischen verschiedenen Stufen:
- Passive Mobilisation: Die Pflegekraft bewegt Gelenke und Extremitäten des Patienten, ohne dass dieser selbst aktiv wird – etwa zur Vorbeugung von Kontrakturen.
- Assistierte Mobilisation: Der Patient bewegt sich mit Unterstützung. Zum Beispiel beim Aufsetzen an der Bettkante oder beim Transfer mit dem Lifter.
- Aktive Mobilisation: Der Patient führt Bewegungen selbstständig aus, ggf. unter Aufsicht und mit Sicherung durch das Pflegeteam.
Welche Form möglich ist, hängt vom individuellen Gesundheitszustand, der Grunderkrankung und der Beatmungssituation ab. Es wird im Normalfall bei jedem Patienten eine individuelle Analyse vollzogen.